Gärtnern auf heimischer Scholle im Herbst - Tipps von Dipl. Gartenbau-Ingenieur Sigmar Wilhelm
Im September beginnt der meteorologische Herbst. Das ist die Haupterntezeit verschiedener Obst- und Gemüsearten und auch im Ziergarten ist immer etwas zu tun. Gleichzeitig richten wir den Blick schon auf das nächste Gartenjahr. Der Entwurf eines Pflanzplanes ist dabei sehr hilfreich. Für die Pflanzung neuer Obstgehölze werden die Vorbereitungen hinsichtlich des Standortes sowie der Arten- und Sortenauswahl getroffen.
Im Gemüsebeet: Noch stehen die sogenannten Spätgemüsearten wie Rosenkohl, Kopfkohl, Möhren, Porree oder Grünkohl auf den Beeten. Der erste Frost macht den Grün- und Rosenkohl durch die Umwandlung von Stärke in Zucker besonders schmackhaft.
Bis in den Herbst hinein wachsen entsprechend den Vorlieben der Gartenfreunde zahlreiche weitere Gemüsearten wie Bohnen, Kürbis, Rote Bete, Salate und Kräuter verschiedenster Art.
Weiterhin werden letzte Tomaten geerntet. Am besten eignen sich dafür milchreife Früchte. Kleiner Tipp: Sie reifen gut nach, wenn man einige Äpfel dazu legt. Das Ethylen, das die reifen Äpfel abgeben, ist ein natürliches Reifemittel für die Tomaten. So kann man Tomaten aus dem eigenen Anbau bis in den Spätherbst hinein genießen.
Im Obstgarten: Die Pflaumenernte ist noch in vollem Gange. Hier steht ein breites Sortenspektrum für den Frischverzehr, zum Backen oder zur Verarbeitung zur Auswahl. Die Reifezeiten sind gestaffelt, sodass je nach Sorte über einen längeren Zeitraum – bis zu acht Wochen – frische Früchte geerntet werden können. Bei einer geplanten Neupflanzung sollte man dies berücksichtigen.
Die Apfel- und Birnenernte hat mit den Sommersorten bereits begonnen. Jetzt folgen die später reifenden Sorten. Zu beachten ist dabei, dass die Pflückreife nicht gleichzeitig die Genussreife ist. Diese wird erst nach einer sortenabhängigen Lagerzeit erreicht.
Einige Ratschläge zur Ernte: Der richtige Pflückzeitpunkt ist bei Äpfeln mitentscheidend für den Geschmack und die Haltbarkeit. Dafür gibt es einige Kriterien. Dazu zählen u. a. die Ausprägung der sortentypischen Grund- und Deckfarbe, die Stiellöslichkeit vom Ast, die Verfärbung der Kerne und die Druckfestigkeit. Bei Äpfeln hat sich der Jod Stärketest mittels der Lugolschen Lösung bewährt. Diese ist im Online Handel zu erwerben. Der Apfel wird mittig quer zur Fruchtachse halbiert und das Fruchtfleisch mit der Lösung eingestrichen. Die Verfärbung setzt nach wenigen Minuten ein. Damit können der Stärkeabbau und die Umwandlung in Zucker nachgewiesen werden. Dazu benutzt man eine Farbschablone mit einer 10-stufigen Skala. Stufe 1 (Fruchtfleisch tief dunkelblau bis schwarz) bedeutet unreif, Stärke vorhanden. Stufe 10 (helles Fruchtfleisch) bedeutet: überreif, Umbau von Stärke in Zucker ist abgeschlossen, Früchte sind nicht lagerfähig!
Je nach Sorte gelten unterschiedliche Skalenwerte. Ein Mittelwert ist für die Lagerung und Verarbeitung der Äpfel meist optimal, d. h. dann ist der richtige Erntezeitpunkt erreicht (siehe Farbtafel Bild 1, 5 und 10).
Eine detaillierte Verfahrensanleitung ist im Internet zu finden.
Das Pflücken erfolgt mit Sorgfalt bei trockenem Wetter. Hierzu einige Tipps: Die Früchte sollten nicht abgerissen, sondern durch leichtes Kippen gelöst werden. Druckstellen durch zu hohen Kraftaufwand mit den Fingerspitzen sind ebenso zu vermeiden wie Verletzungen der Schale durch lange Fingernägel. Außerdem sollte jeweils nur ein Apfel mit der ganzen Hand gepflückt werden.
Mit zwei bis drei Pflücken (Erntedurchgängen) im Abstand von jeweils einer Woche können die Äpfel selektiv nach Größe, Ausfärbung und Verwendungszweck geerntet werden. Die Früchte, die nicht zur Lagerung geeignet sind, sollten zeitnah verarbeitet werden, z.B. in einer Lohnmosterei.
Für die Einlagerung einwandfreier Früchte in Obstkisten eignen sich kühle Räume, ein Schuppen, ein Vordach – möglichst auf der Nordseite –, der Kühlschrank oder ein Balkon. Keine Sorge, ein leichter Nachtfrost schadet den Äpfeln nicht. Ein warmer Heizungskeller ist hingegen ungeeignet. Dort trocknen die Äpfel aus und werden schrumpelig. Auf ungebetene Gäste, z. B. Mäuse, ist zu achten.
Birnen im Hausgarten: Die Birnen haben in unseren Hausgärten (leider) nicht die Bedeutung des Apfels. Dabei ist das Birnensortiment reichhaltig und bringt ab Ende Juli bis in den Herbst hinein Abwechslung im Obstsortiment. Beispielsweise die Sorten Clapps Liebling, Gellert (Gellerts Butterbirne), Conference, Williams Christ, Alexander Lucas, Gute Luise sind seit Jahrzehnten im Anbau und haben sich bewährt.
Bei der Ernte ist die gleiche Sorgfalt wie beim Apfel notwendig.
Im Ziergarten: Der Ziergarten verliert nach und nach seinen Flor. Die abgeblühten Pflanzen werden im Spätherbst geräumt und kompostiert. Anschließend können die freien Flächen auf das nächste Jahr gemäß Pflanzvorstellungen vorbereitet werden.
Die Rosen sollten sortenspezifisch im Herbst nur leicht zurückgeschnitten werden. Im Frühjahr erfolgt dann der gründliche Instandhaltungsschnitt. Wichtig ist der Schutz vor Barfrostschäden durch das Anhäufeln bis über den Wurzelhals oder Abdecken z. B. mit Fichtenreisig. Mehrjährige Stauden werden entsprechend ihrer Kulturansprüche behandelt. Blumenzwiebeln, wie z. B. Tulpenzwiebeln, können gesteckt werden, wenn die Bodentemperatur unter 10 Grad gesunken ist. Um Fraßschäden durch Mäuse zu vermeiden, ist ausreichender Schutz notwendig.
Gründüngung und Bodenpflege: Freiflächen im Garten können noch im Herbst mit Gründung eingesät werden. Phacelia ist dafür besonders geeignet und insektenfreundlich. Die entstandene organische Masse wird im zeitigen Frühjahr in den Boden eingearbeitet und dient der Humusversorgung unserer sandigen Böden. Gleichzeitig werden damit Bodenerosion und Austrocknung vermieden. Ebenfalls kann dazu Falllaub über den Winter auf der Freifläche ausgebracht und Anfang bis Mitte März eingegraben werden.
Vorbereitung auf das nächste Gartenjahr: Nach Abschluss sämtlicher Erntearbeiten beginnt die Vorbereitung für die nächsten Arbeiten im Garten. Dazu gehören u. a. die Pflanzung von Obstbäumen und Sträuchern sowie die notwendigen Kultur- und Pflegemaßnahmen des vorhandenen Gehölzbestandes. Dem fachgerechten Schnitt zum richtigen Zeitpunkt sollte unbedingt die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dabei haben die verschiedenen Obstarten und Sorten unterschiedliche Ansprüche. Zahlreiche Informationen dazu finden sich im Internet, u. a. auch auf der Homepage des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins. Ein Schnittkurs wird vom Verein jährlich am ersten Märzwochenende organisiert.
Nun ist hoffentlich alles Gärtnerische für dieses Jahr geschafft und die Gartenfreunde können das Ergebnis ihrer Arbeit genießen. Der Artikel erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Themen zu behandeln, würde den Rahmen sprengen.
Falls etwas schiefgegangen ist, hilft nur eines: auf ein Neues! Wir machen es im nächsten Jahr besser. Der Grundstein dafür wird bereits im Herbst gelegt.
Alles Gute und weiterhin viel Freude am Gärtnern wünscht
Ihr Gärtner