Feierliche Übergabe historischer Stickrahmen von Frau Oehm mit Vorsitzender Antje Titscher und weiteren Mitgliedern. Foto: Heimatverein
Feierliche Übergabe historischer Stickrahmen von Frau Oehm mit Vorsitzender Antje Titscher und weiteren Mitgliedern. Foto: Heimatverein

Feierliche Übergabe eines historischen Stickrahmens an das Heimatmuseum Glindow

Historisches Handwerkszeug mit bewegter Geschichte bereichert ab sofort die Sammlung des Heimatmuseums Glindow. Ein restaurierter Stickrahmen aus Familienbesitz erinnert an die einst weit verbreitete Heimarbeit von Stickerinnen und Weißnäherinnen.

Am Nachmittag des 21. Juni 2026 wurde dem Heimatmuseum Glindow ein historischer Stickrahmen übergeben. Die Vorsitzende des Heimatvereins Glindow, Antje Titscher, empfing gemeinsam mit drei handarbeitserfahrenen Vereinsmitgliedern die Spenderin Frau Oehm. Begleitet wurde diese von Jutta Enke von der Gilde der Stadtführer Werder. Zu den Gästen zählten außerdem Frau Lucas aus dem Fachbereich Kultur der Stadt sowie Frau Watzke vom Heimatverein Werder. Im Anschluss an die Übergabe kamen die Anwesenden bei Kaffee, Kuchen und einem Glas Sekt ins Gespräch.

Stickrahmen für größere Stoffbahnen sind bereits seit dem Mittelalter bekannt. Auf ihnen entstanden großformatige Stickereien in verschiedenen Techniken, darunter auch Tambourarbeiten. Bestickt wurden Tischwäsche, Möbelbezüge, Wandbespannungen, Vorhänge und Kleidungsstücke. Auch im Heimatmuseum Glindow sind einige bestickte Tücher mit den damals beliebten Sinnsprüchen ausgestellt.

Der nun übergebene Stickrahmen stammt aus dem Familienbesitz von Waltraud und Dieter Oehm. Dazu berichtet Jutta Enke, Stadtführerin in Werder (Havel):

"Der Stickrahmen für größere Wäschestücke stammt aus dem Familienbesitz von Waltraud und Dieter Oehm aus der Potsdamer Straße 7. Waltraud Oehm, geborene Lenz aus Werder (Havel), zog der Liebe wegen nach Sohl im Vogtland, der Heimat ihres späteren Ehemannes Dieter Oehm. Das Paar heiratete 1961.

An diesem Stickrahmen arbeitete bereits die Großmutter ihres Mannes, Elise Oehm. Schon als junges Mädchen begann sie in traditioneller Heimarbeit Monogramme auf Wäschestücke zu sticken. Aufgrund ihrer sorgfältigen Arbeit erhielt sie bald größere Aufträge. Bereits um vier Uhr morgens saß sie am Stickrahmen und verzierte zugeschnittene Teile für Blusen, Kleider und Schürzen mit feiner weißer Lochstickerei.

Bald arbeitete Elise Oehm für Großabnehmer und Händler weit über die Grenzen des Vogtlandes hinaus – stets in Heimarbeit. Mit ihrem Fleiß trug sie Anfang des 20. Jahrhunderts wesentlich zum Familieneinkommen bei.

Doch auch in unserer märkischen Region wurden solche Stickrahmen genutzt. In Glindow und Werder gab es Stickerinnen und Weißnäherinnen, die für wohlhabende Bürgerfamilien und Obstzüchter die Aussteuer nähten und verzierten. Darüber hinaus bestickten sie vom Schneider zugeschnittene Teile für Blusen, Röcke und Kleider.

Heute sind nur noch wenige dieser Arbeitsgeräte als Zeitzeugen erhalten. Maschinelle Stickerei und Spitzenfertigung haben die Handarbeit längst verdrängt.

Der Werderaner Möbelrestaurator Edgar Ehmke aus der Potsdamer Straße 132 B erklärte sich sofort bereit, den historischen Stickrahmen für das Heimatmuseum zu restaurieren. Er ersetzte verschlissene Holzteile. Die Stoffbespannungen wurden nach den historischen Vorbildern neu angefertigt. Nun können Wäschestücke wieder mit Stecknadeln befestigt und bereits bestickte Partien aufgerollt werden. Das Werkstück bleibt dabei stets straff gespannt. Die Stickerin saß einst wie an einer Werkbank vor ihrer Arbeit."