Gärtnern auf heimischer Scholle im Mai

Gärtnern auf heimischer Scholle im Mai

Gärtnern auf heimischer Scholle im Mai – Tipps von Dipl. Gartenbau-Ingenier Sigmar Wilhelm

Erntebeginn im Mai: Im Mai können die ersten Früchte aus der Arbeit im März und April geerntet werden. Lauchzwiebeln, Radieschen, Kopfsalat und Kohlrabi sind erntefähig, auch der Rhabarber schmeckt jetzt besonders gut. Damit ist die „Durststrecke“ der Selbstversorgung aus dem eigenen Anbau überwunden.

Die abgeernteten Beete können anschließend für Folgekulturen vorbereitet werden. Dafür eignen sich besonders thermophile (wärmeliebende) Gemüsearten, wie z. B. Bohnen, Freilandgurken, Zucchini, Kürbis, Tomate.

Achtung vor Spätfrost und Eisheiligen: Die Eisheiligen stehen in der ersten Maihälfte im Kalender und auch Ende Mai kann uns der Frost in ungünstigen Lagen noch zu schaffen machen. Also bitte Frostschutzmaßnahmen unbedingt vorbereiten, wenn bereits gepflanzt wurde. Dafür eignen sich doppelte Vliesabdeckungen, Pappe oder umgedrehte Plastikeimer. Metallgefäße sollten hingegen nicht verwendet werden, da sie Wärme ableiten, anstatt zu schützen.

Die Stabtomaten im Folienzelt oder Gewächshaus können nachts mit elektrischen Heizkörpern oder Kerzen mit langer Brenndauer vor Spätfrostschäden geschützt werden.

Pflanzung und Nährstoffbedarf von Tomaten: Die Freilandtomaten können je nach Wetterlage nach den Eisheiligen gepflanzt werden, bei ausreichendem Frostschutz auch etwas früher. Tomaten sind sogenannte Starkzehrer, d. h. sie benötigen eine ausreichende Nährstoffversorgung. Eine gute Humusversorgung des Bodens ist unbedingt notwendig.

Kleiner Tipp: In das Pflanzloch (ca. 3- bis 5-mal größer als der Wurzelballen) können reifer Kompost oder Pflanzerde, dazu Hornspäne und eine leichte mineralische Düngergabe (z. B. Blaukorn) eingearbeitet werden.

Diese Methode hat sich auch bei anderen Arten, wie z. B. Zucchini oder Kürbis bewährt. Damit werden die Pflanzen punktgenau mit Nährstoffen versorgt. Das ist besonders für die erste Wachstumsphase als Startdünger notwendig. Während der weiteren Kulturführung erfolgt die Düngung und Wasserversorgung bedarfsgerecht, d. h. gemäß Pflanzenzustand und Ertragsverlauf. Hinweise dazu findet man im Netz oder auf der Verpackung des Düngers.

Anbau von Buschbohnen: Für den Anbau von Buschbohnen empfiehlt sich die Aussaat in Multitopfpaletten oder kleinen Anzuchtgefäßen, die mit Aussaat- oder Blumenerde gefüllt sind – mit jeweils 3 bis 4 Korn pro Schale. Pro Topf werden drei bis vier Körner ausgesät. Für ein zügiges Keimen ist ein warmer Standort wichtig, eine Vliesabdeckung kann dabei hilfreich sein. Das Auspflanzen ins Beet erfolgt erst, wenn die Pflanzen gut durchwurzelt sind. Diese Methode hat sich bewährt. Als Nestpflanzung wird ein Pflanzabstand von 40 x 30 cm empfohlen.

 

Weitere Gemüsepflanzungen im Mai: Im Mai können über die genannten Arten hinaus natürlich alle weiteren gängigen Gemüsepflanzen in die Beete. Ein breites Angebot steht zur Verfügung. Jeder Gärtner kann entsprechend seiner Vorstellungen und Möglichkeiten auswählen. Zu bedenken sind in jedem Fall die Bedürfnisse der einzelnen Kulturen bezüglich ihrer Ansprüche an den Boden, die Nährstoff- und Wasserversorgung, die Fruchtfolge sowie der Pflanzenschutz. Unter den hiesigen Standortbedingungen sollte auf stark bewässerungsbedürftige Gemüsearten verzichtet werden (z. B. Kopfkohl, Sommerblumenkohl).

 

Pflege im Obstgarten: Die Erdbeeren haben nach der Abblüte erste Fruchtansätze und bedürfen der weiteren Pflege. Flache Bodenbearbeitung verhindert Unkrautwuchs und nach den Eisheiligen kann Stroh zwischen die Reihen gelegt werden. Damit werden die Früchte beim Wässern oder bei Regengüssen gegen Versandung geschützt. Gleichzeitig ist das eine gute Methode gegen das Faulen der Früchte, da der Bestand schnell abtrocknen kann und kein Bodenkontakt der Erdbeeren besteht. Bei Vliesabdeckung setzt bei Frühsorten die Ernte zeitiger ein.

Nach der Abblüte der Obstbäume werden die Kultur- und Pflegemaßnahmen weitergeführt. Wenn die bedarfsgerechte Düngung abgeschlossen ist, sollte die Bodenbearbeitung fortgesetzt werden. Die Gießringe oder Baumscheiben bzw. Baumstreifen können gegrubbert und geschuffelt werden. Unkrautwuchs als Nährstoff- und Wasserkonkurrent der Bäume und Sträucher ist zu entfernen. Für den Bereich Pflanzenschutz gibt es diverse Empfehlungen im Netz. Die Konsultation in einem gut sortierten Gartencenter ist ebenfalls hilfreich.

Schnitt bei Moniliabefall: Sollte Moniliabefall, vor allem bei Steinobst und insbesondere bei Sauerkirschen vorliegen, muss bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten werden.

 

Arbeiten im Ziergarten: Im Ziergarten können nun nahezu alle Sommerblumen gepflanzt werden. Hier gibt es ein reichliches Sortiment und jeder kann je nach Geschmack nach den Eisheiligen eine Auswahl treffen. Überwinterte Dahlien, Gladiolen, Montbretien und Canna können Anfang Mai in den Boden, eine Vliesabdeckung beschleunigt ihren Austrieb.

Auch hier gilt es, die Kulturfolge zu beachten. So ist z. B. die Sommeraster eine nachbauempfindliche Pflanze. Also bitte nicht Aster nach Aster im nächsten Jahr pflanzen.

Tipps zum Schutz vor Spätfrost: Bei drohendem Spätfrost sollte der Boden nicht bearbeitet werden, sonst wird der Wärmenachfluss aus dem Untergrund gestört. Anwalzen kann hingegen hilfreich sein. Der Boden sollte feucht gehalten werden. Das Wässern sollte jedoch bis Mittag abgeschlossen sein, damit der Boden am Nachmittag die Wärme speichern kann. Trockene Blätter verringern außerdem das Risiko von Schorfinfektionen und zusätzlicher Verdunstungskälte.

Graseinsaaten zwischen den Bäumen sollten kurz gehalten werden. Damit wird die Verdunstungskälte, die von dem feuchten Gras ausgeht, reduziert und der Wärmenachfluss aus dem Boden weniger behindert.

Das Heizen mittels offenen Feuers oder Paraffintöpfen ist zwar aus pflanzenbaulicher Sicht ebenfalls eine Möglichkeit, sollte jedoch nur unter Beachtung der rechtlichen Vorschriften erfolgen.

Am wirkungsvollsten ist die Frostschutzberegnung. Hier ist eine dauernde Beregnung des Bestandes beginnend ab 0,5 °C mit Feinstrahlregnern bis zum Abtauen des Bestandes notwendig. Dadurch werden erhebliche Wassermengen (ca. 2,0 bis 5 Liter pro m² und Stunde) in Abhängigkeit von der Temperatur benötigt. Diese aufwändige Methode wird sich in Zukunft durch die Klimaveränderung vor allem im Erwerbsobstbau zur Ertragsstabilisierung notwendig machen.

 

Ihr Gärtner

Related Articles